Augenreiben in der Bachmattenhalle. Entgegen allen Erwartungen hat der TV Muri gegen Handball Emmen leichtes Spiel -auch dank einer One-Man-Show von Yorick Kaufmann. Damit setzen sich die Freiämter an der Tabellenspitze fest.

Als Handball Emmen nach der Pause bei einem Vier-Tore-Rückstand knapp 120 Sekunden in doppelter Überzahl agiert, scheint das einzutreffen, was man aus Murianer Sicht schon länger befürchtete. Nämlich dass der der Favorit zu einer Aufholjagd ansetzt. Emmen kann tatsächlich auf 19:16 verkürzen. Zu mehr reicht es nicht. Die vier verbliebenen Murianer Feldspieler ziehen den Kopf aus der Schlinge. Mehr noch. Kaum sind die Strafen abgelaufen, setzt Muri seine starke Performance der ersten Halbzeit fort. Mit gleich drei Treffern in Serie ziehen die Klosterdörfler Emmen endgültig den Zahn.
Jetzt ist Muri nicht mehr aufzuhalten. Emmen wird in Einzelteile zerlegt. Einen grossen Anteil daran hat Yorick Kaufmann. Der Spielmacher spielt schon vor der Pause bärenstark. Wirbelt was das Zeug hält. Schiesst Tor um Tor. Das war aber erst der Anfang seiner beinahe perfekten Partie. Zwischen der 41. und 51. Minute setzt er zur Gala an. Gleich sechs Mal trifft er ins Gehäuse der Luzerner. Alle Versuche, ihn aus dem Spiel zu nehmen, verlaufen im Sand. Am Schluss hat das Eigengewächs 12 Treffer auf seinem Konto. „Das war stark. Yorick hatte am Freitag im Training schon einen unglaublichen Auftritt. Wir hatten schon Angst, dass er sein Pulver verschossen hatte. Er ging furchtlos in die Gegner hinein. Langsam kommt bei ihm die Routine und das Selbstvertrauen“, sagt sein Trainer Claude Bruggmann.

Schelbert neutralisiert

Der Rest der Partie verkommt zu einem Schaulaufen. Muri gelingt alles. Emmen beinahe nichts. Wie konnte es zu diesem Effort kommen. Dazu sagt Claude Bruggmann: „ Wenn das so einfach zu erklären wäre. Es war eines dieser Spiele, wo alles zusammenpasste. Im Angriff konnten wir machen was wir wollten. Der Ball fand immer irgendwie den Weg ins Tor. Alle spielten auf einem hohen Niveau, teilweise auch darüber hinaus. Der Gegner hat das aber auch zugelassen.“ Einer der Faktoren ist die hohe Treffsicherheit. Diese pendelt sich bei 70 Prozent ein. Und dies gegen ein Spitzenteam. Neben Kaufmann glänzen auch Femiano (11) und Angehrn (5). Beide verzeichnen nur je einen Fehlversuch. Der zweite Faktor ist die Personalie Marc Schelbert. Der Topskorer der Gäste findet gegen Muris Abwehr lange keine Lösung. Dabei glänzt der Murianer Innenblock. Namentlich Schwenkfelder, Heusi und Zucker. Erst in der 33. Minute, nach acht Fehlversuchen, erzielt er seinen ersten Treffer. Im gleichen Stil geht es für ihn weiter. „Wir gingen davon aus, dass wir ihn komplett aus dem Spiel nehmen müssen. Das war aber nicht nötig. Als wir ihn am Anfang gewähren liessen, merkten wir schon bald, dass er nicht den besten Tag erwischte“, sagt Bruggmann.

Als Mannschaft überragend

Und da wäre noch Ursin Schleiss. Nach der starken Partie in Dagmersellen setzte Trainer Claude Bruggmann auch diesmal auf ihn. Zwar ist seine Fangquote von 26 Prozent kaum nennenswert. Er war aber zur Stelle, wenn es heikel wurde. Seine neun Paraden machte er in wichtigen Momenten. Schliesslich war es die Summe einer überragenden Partie der ganzen Mannschaft, die vom Trainer perfekt auf den Gegner eingestellt war, die diesen Erfolg ermöglichte. Dass der letztjährige Aufstiegsrundenteilnehmer einen rabenschwarzen Nachmittag einzog, trug ebenfalls zu dem erstaunlichen Resultat bei. „ In der Verteidigung hätten wir noch ein wenig besser spielen können. Im Angriff liegt aber nicht mehr drinnen“, lautet Bruggmanns Schlussfazit.

 

Telegramm:

Handball: 1. Liga, Gruppe 3: TV Muri - Handball Emmen 40:31 (19:15)
Bachmatten. – 100 Zuschauer. – SR: Mönig / Summ.
Muri: Schleiss, Wipf (1); Dani Lang (2), Dominik Lang (3), Schwenkfelder, Angehrn (5), Kaufmann (12), Femiano (11/1), Heusi (2), Staubli, Pantic, Zucker (4).
Emmen: Schnellmann, Schnyder; Schelbert (3), Acha Orbea, Kim (2), Häberli (8), Hartmann (3), Cilurzo, Cavacevic (4), Bucher (6), Dürger (3), Büchli (2).
Bemerkungen: Strafen: 2-mal 2 Minuten für Muri, 5-mal 2 Minuten für Emmen. Siebenmeter: 1/1 für Muri, 2/4 für Emmen.